Das Bild zeigt den Texter Stefan Thönes aus dem Saarland

Die Spülmaschine

von Stefan Thönes - alle Rechte vorbehalten.

Kennen Sie das Reizthema Nummer eins im Büro zwischen Männern und Frauen?

Nein? Ich schon: Die Spülmaschine im Aufenthaltsraum.

 

Das letzte Refugium für offen ausgelebten Chauvinismus in unserer emanizipierten Gesellschaft.

 

Bei Dienstschluss schmeißt einfach jeder seine Kaffeetasse in das Ding hinein und tschüss.

 

Anmachen ist da aber auch wirklich das allerhöchste der Gefühle! Wenn überhaupt. Hier darf man allerdings uns Männern nicht wirklich etwas vorwerfen: WIR WISSEN oft GAR NICHT, WIE DIE KISTE ANGEHT! Ja! Das ist die reine Wahrheit. Nie wurden wir in den Gebrauch von diesen hochkomplexen, extrem leicht kaputtbaren Spülautomaten eingewiesen. Man könnte ja auch etwas falsch oder gar kaputt machen... zumindest ist das gar keine so schlechte Standardausrede.

 

Überzeugend vorgetragen lassen wir uns dann gerne von einer Kollegin erklären, wie’s geht und starren ihr beim Einfüllen des Spülpulvers in die Maschine auf das wohlgeformte Hinterteil, das so prächtig in den engen Anzughosen zur Geltung kommt. Selbst schuld, wenn man so etwas anzieht und sich dann auch noch derart nach vorne beugt. Das ist doch Absicht?! Im Sommer stehen wir Männer dabei auch gerne seitlich von der Maschine, um die beste Aussicht von vorne auf’s Dekollete zu haben.

 

Das mit den Ausräumen ist natürlich Frauensache. Oder? Ja. Definitiv. Jedenfalls in der Praxis. Die „gute Seele“, die es dann meistens macht und von einer düster dreinschauenden Kollegin unterstützt wird, richtet das schon. „Sind halt eben Männer“, habe ich dazu schon als Kommentar gehört. Und wehe ein Mann wagt es, während der Ausräumzeremonie in die Küche zu kommen. Fehler Nummer eins: nix machen. Das ist das Todesurteil. Fehler Nummer zwei: Helfen. Auch ein Urteil. Das hört sich dann so an: „Guck’ mal, der ist aber gut gezogen!“. Und schon steckt man in der Schublade für Frauenversteher und Turnbeutelvergesser. Männer mögen keine Zwickmühlen. Deshalb meiden sie Spülmaschinen und Ausräumzeiten.

 

Richtig witzig wird es dann, wenn sich in den frühen Morgenstunden eines Montags das Alphatierchen, an seniler Bettflucht leidend, aufrafft um Kaffeegeschirr vom Vortag wegzuräumen. Der Chef ist nach seiner Heldentat dreist genug, seine Sekretärin anzumeckern, wieso denn im Besprechungsraum noch das Kaffeegeschirr von der Besprechung Freitag Abend stünde. Er hätte es jetzt selbst weggeräumt, das wäre ja kein Zustand! Das Schlimme daran ist, dass sich die meisten Sekretärinnen, die heute in der Regel Assistentinnen heißen, diese Aufgabe und Verantwortlichkeit tatsächlich ohne mit der Wimper zu zucken auf’s Auge drücken lassen.

 

Diese „Wegräumaktionen“ des Chefs stellen sich allerdings bei genauerem Hinsehen in 98,5 % der Fälle als Rohrkrepierer heraus: Er räumt dreckiges Geschirr in die bereits am Freitag Abend durchgelaufenen Maschine zu dem sauberen Geschirr dazu. Kein Witz. Tausendmal genau so erlebt. Am besten noch mit folgenden Worten fluchend: „Mann o mann, wieso lässt das Ding hier denn nie einer laufen!!!“. Reingucken und checken, dass da nur sauberes Geschirr drin ist? Keine Chance. AUSRÄUMEN? > Was ist das?

 

Da alle Chefs besonders qualifiziert sind, schafft er es auch die Maschine anzuschmeißen.

 

Das Resultat: Es ist Montagmorgen und die ganze Abteilung hat an diesem Vormittag keine Kaffeetasse.

Oder? Wie lange läuft so eine Maschine? Keine Ahnung. Ehrlich.

 

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